Die
Ausstellung
 
Home
Führung
Chronik
Konzept
Köpfe
Regionen
Suchen
Feedback
E-Vote
Umfrage

  Epochen
der Zeitreise
  Gesamtindex
  NRW
  Nationalsozialismus
  Weimar
  Wilhelminische Zeit
  Gründerjahre
  Industrialisierung
  Preußenzeit
  Franzosenzeit
  Absolutismus
  Reformation
  Mittelalter
  Vorzeit
  Hilfe
 
Alle Artikel dieser Epoche
1881
Bevölkerungsentwicklung in Nordrhein-Westfalen während des 19. Jahrhunderts

Bevölkerungswachstum und Industrialisierung sind eng verkoppelte zentrale Prozesse, die in Deutschland während des 19. Jahrhunderts abliefen. Die beiden preußischen Westprovinzen Rheinland und Westfalen spielten dabei eine besondere Rolle; hier entstand eine der ausgeprägtesten Industrie- und Städtelandschaften Europas.

 

Der bereits in den 1830er und 1840er Jahren einsetzende Strom von Zuwanderern in die alten Textilgewerbestädte vervielfachte sich mit dem Wandel ehemaliger Ackerbürgerstädte zu Industriemetropolen in der Hellwegzone des Ruhrgebiets, das zum Motor der deutschen Industrialisierung wurde. In kürzester Zeit bildeten sich ausufernde Vorstädte und expandierende Industriedörfer. Wegen der sprunghaften Expansion ragten die Regierungsbezirke Arnsberg und Düsseldorf heraus; im Regierungsbezirk Düsseldorf etwa stieg der Anteil der städtischen Bevölkerung in den zwei Jahrzehnten von 1850 bis 1870 von 42 auf 58 Prozent. Insgesamt wuchs die Bevölkerung der beiden Provinzen Rheinland und Westfalen in diesem Zeitraum von 4,3 auf 5,3 Millionen Menschen, obwohl zwischen 1849 und 1871 über 160.000 Auswanderer nach Übersee das Gebiet verließen.

Das rasche Wachstum vor allem der jungen Industriestädte beruhte einerseits auf einer starken Zuwanderung arbeitssuchender Menschen mittleren Alters aus dem direkten Umland sowie vor allem aus Nordostdeutschland und Hessen. Bis zum Ersten Weltkrieg kamen etwa 800.000 Zuwanderer aus den preußischen Ostgebieten ins Ruhrgebiet. Andererseits lag dieses Wachstum auch in einer überdurchschnittlich hohen Kinderzahl der Familien begründet. Da gleichzeitig die Lebenserwartung stieg, hat sich die Bevölkerung beider Provinzen bis zum Ersten Weltkrieg noch einmal etwas mehr als verdoppelt, so daß nun 11,3 Millionen Menschen hier lebten, davon im Rheinland jeder zweite und in Westfalen jeder dritte in einer Stadt mit über 20.000 Einwohnern. Erst um die Wende zum 20. Jahrhundert setzte sich die sogenannte industrielle Bevölkerungsweise durch, die auf eine Reduzierung der Geburten hinauslief.

Bevölkerungsentwicklung der nordrhein-westfälischen
            Großstädte des Jahres 1910 (in 1.000)

  um 1816/1819 um 1850 1870/1871 1910
Köln 50 97 129
517
Düsseldorf 23 27 69
359
Essen 5 9 52
295
Duisburg 5 9 31
229
Dortmund 4 11 44
214
Elberfeld 22 39 71
170
Gelsenkirchen 1 3 8
170
Barmen 19 36 74
169
Aachen 32 51 74
156
Bochum 2 5 21
137
Krefeld 14 36 57
129
Mülheim/R. 5 11 14
113
Hamborn* - - 2
102

* Stadt seit 1911 (heute Duisburg-Hamborn)

Jörg Vögele

Literatur:
D. Briesen et. al., Gesellschafts- und Wirtschaftsgeschichte Rheinlands und Westfalens, Köln 1995. W. Köllmann, Bevölkerung in der industriellen Revolution, Göttingen 1974. J. Reulecke, Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, Frankfurt/M. 1985.

     
[Impressum]
  Copyright De-Media.de 2002, Letzte Aktualisierung 01.10.2002