Die
Ausstellung
 
Home
Führung
Chronik
Konzept
Köpfe
Regionen
Suchen
Feedback
E-Vote
Umfrage

  Epochen
der Zeitreise
  Gesamtindex
  NRW
  Nationalsozialismus
  Weimar
  Wilhelminische Zeit
  Gründerjahre
  Industrialisierung
  Preußenzeit
  Franzosenzeit
  Absolutismus
  Reformation
  Mittelalter
  Vorzeit
  Hilfe
 
Alle Artikel dieser Epoche

20. November 1755
Schloß Benrath

 
Schloß Benrath.

Im Winter 1755 beauftragte Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz den Pfälzischen Oberbaudirektor Nicolas de Pigagé mit den Neubau von Schloß Benrath. Pigagé, seit 1749 im Dienst des Kurfürsten, entwarf ein "französisches" Lustschloß, eine Maison de Plaisance.

Den Eingang der Anlage verlagerte er in den Norden, so daß der Besucher seitwärts zum Hauptschloß hin geführt wird. Der in Nancy und Paris geschulte Architekt gruppierte den 5-teiligen Schloßkomplex um einen künstlich angelegten Weiher, der die Stelle des im Barock klassischen Cour d`honneur einnimmt. Dabei zeichnen die Fronten der Gebäude in ihrer Schwingung die Kontur des Weihers nach. Durch diesen Kunstgriff wird die Anlage an die Wasserfläche angebunden, die ihr Großzügigkeit verleiht und sie gleichzeitig vom Dorf distanziert.

Über eine mit bergischen Löwen flankierte Treppe gelangt man zum Portal des Haupttraktes, das von dem Wappen Karl Theodors bekrönt wird. Selbst an dieser exponierten Stelle klingt das Thema Garten- und Lustschloß an; finden sich doch seitlich des Giebels Putti mit Gartengerät. Im Süden, zur Gartenfront hin, bestimmen Jagdmotive den Skulpturenschmuck. Auch hier sind Gebäude und Garten, in dem sich das Figurenprogramm fortsetzt, durch Weiterführung der Bewegung des Baukörpers eng miteinander verzahnt.

Durch die Fassadengliederung gelang es Pigagé die Kleinteiligkeit und Verschachtelung im Innerern zu verschleiern, so daß in der Außenansicht Schloß Benrath als eingeschossig mit Mezzanin erscheint. Dies trifft jedoch nur auf die beiden, in Nordsüdachse liegenden Festräume, Vestibül und Kuppelsaal zu. Die fürstlichen Wohnräume verlagerte er von der Belletage in das Erdgeschoß, so daß sie ihre direkte Fortsetzung in den sich anschließenden Gärten finden, die in ihrer Größe mit den Innenräumen korrespondieren.

Auf raffinierte Weise verstand er es sogar die Grün- und Wasserflächen in die Raumgestaltung mit einzubeziehen. Der Tradition gemäß liegen die Kabinette der Fürstin im Osten, und die des Fürsten in Westen. Durch den Wechsel von runden und rechteckigen Räumen realisierte Pigagé nicht nur ein Höchstmaß an Raumausnutzung, sondern entsprach ebenso der in der Bautheorie geforderten Varieté. Ingesamt umfaßt das Raumprogramm 80 Räume, deren Dimensionierung, den Ideen der Aufklärung folgend, auf den menschlichen Proportionen basiert. In den oberen Geschossen sind sie um zwei Innenhöfe gruppiert und über sieben Treppen verbunden. Auch in dem Verzicht auf die im Barock obligatorische Treppenanlage zeigt sich der ganz private Charakter des Schlosses. Ausschlaggebend für die Disposition und Ausstattung der Räume waren die Forderungen nach commodité, bienséance und convenance.

Das Vestibül, ein klassischer Repräsentationsraum, konnte z.B. auch zum Speisesaal umfunktioniert werden. Eine weitere Besonderheit im Inneren stellt der, das Pantheon zitierende Kuppelsaal dar. Die Kuppel selbst wird aus zwei übereinander liegenden, nach oben sich öffnenden Schalen gebildet, über der sich der Belvedere erhebt. So war der Lichteinfall gewährt und zugleich bot sich die Möglichkeit, einen Orchesterbalkon anzulegen. Der Saal ist das Zentrum des Schlosses, in ihm laufen die drei für die Gartenarchitektur maßgeblichen Hauptachsen zusammen und werden zudem noch durch große Spiegel reflektiert. Wie auch Jacques Francois Blondel, der 1737 die maßgebliche Schrift zur Architektur der Maison de Plaisance verfaßte lehnt Pigagé die Überwucher-ung der architektonischen Formen durch die Dekoration ab, worin sich eine klassizistische Grundhaltung manifestiert. Als Beispiel sei die nüchterne Geschlossenheit und Scharfkantig-keit der Pilaster aufgeführt. Auch in der Kühle und Strenge, die unter anderem durch die reduzierte Farbigkeit und den, der Antike entlehnten Ornamenten entsteht, kündigt sich der Klassizismus an.

Kunstgeschichtlich steht Benrath auf einer Stufe mit den z.T. nicht mehr erhaltenen französischen Initialbauten (Trianon de Porcelain, Marly, Vaux le Vicomte, Champs, ...). Doch geht Benrath in seiner Komplexität, in der bis ins Detail konsequenten Gestaltung nach einheitlichen formalen, thematischen und funktionalen Kriterien weit über diese Bauten, wie auch die architekturtheoretischen Schriften Blondels und Briseux` hinaus. Kaum eine andere Anlage spiegelt so den Zeitgeist der Epoche wie Schloß Benrath.

Uta Schabrod

Literatur:
Nicolas de Pigagé, Architekt des Kurfürsten Carl Theodor. Hrsg. Stadtmuseum Düsseldorf; Düsseldorf 1996.
Irene Markowitz: Schloß Benrath. München/Berlin 1985
Schloß Benrath. Düsseldorf 1987.
Schloß und Park Benrath. Düsseldorf 1989.
Düsseldorfer Gartenlust, Stadtmuseum Düsseldorf 1987.

Schloß Benrath
Benrather Schloßallee 104
Öffnungszeiten: Di. -So. 10.00 - 17.00
Tel:. 0211/ 899 72 71

Schloss Berath gehört wie Schloss Dyck zu den bedeutenden Projekten der Landesgartenschau 2002.

<< seite 1

     
[Impressum]
  Copyright De-Media.de 2002, Letzte Aktualisierung 30.08.2002