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20. November 1755
"Das bescheidene Häuschen am Weiher
im Park ist der entzückendste Betrug, den man sich denken kann." Nur wenige Autominuten vom Zentrum der Landeshauptstadt Düsseldorf entfernt liegt rheinaufwärts, eingebettet in weitläufige Gartenanlagen Schloß Benrath, eins der schönsten Schlösser des Niederrheins. Bereits seit dem 13. Jh. gehörte Benrath zum Besitz der Grafen von Berg, den späteren Herzögen von Jülich- Cleve- Berg. Anfangs noch fester Wohnsitz, wurde der Vorgängerbau, ein Wasserschloß aus dem 17.Jh., bald als Sommerresidenz und Witwensitz genutzt. Nicht nur Pfalzgräfin Elisabeth Amalia wurde Benrath zum "allerliebsten Ort", auch von Anna Luisa Medici sind Berichte über die schönen Gärten erhalten. Als Kur-fürst Karl Theodor von der Pfalz (1724 - 1799), seit 1742 auch Landesherr des Herzogtums Jülich -Berg, 1746 erstmals nach Düsseldorf kam, fand er das alte, seit 1716 leerstehende Schloß durch Brand und Feuchtigkeit beschädigt vor. Am 20. November 1755, anläßlich seines zweiten Besuches in der ehemaligen Residenzstadt, beauftragte der Kurfürst Nicolas de Pigagé mit der Planung und Ausführung eines Neubaus, einer Maison de Plaisance. Ermöglichte doch der Typ der Maison de Plaisance die Ideen der Aufklärung umzusetzen und fürstliche sowie bürgerliche Bauformen zu verbinden. Überdrüssig des starren Hofzeremo-niells, sehnten sich die Fürsten nach einfachem ländlichen Leben und Intimität fern von Repräsentationspflichten. Der Wunsch nach einem beschwingten Wohnsitz in der Natur entsprach also dem gesellschaftlichen Wandel im ausklingenden Absolutismus. Pigagé (*1723 Luneville, + 1796 Mannheim) gelang es diesen hohen Ansprüchen in überaus überzeugender und geistreicher Weise gerecht zu werden. Nach 14-jähriger Bauzeit, mit Unterbrechung während des Siebenjährigen Krieges wurde 1770 die Anlage vollendet. Dabei schuf Pigagé ein geniales Gesamtkunstwerk, ein harmonisches Zusammenspiel von Architektur, Gartenkunst, Bildhauerei und Malerei. Ausgehend von dem vorgegebenen Areal des Wasserschlosses, das bis auf den nördlichen Flügel -die heutige Orangerie- abgebrochen wurde, entwarf er einen fünfteiligen, symmetrischen Komplex, der einer Eremitage gemäß um einen großen Weiher gruppiert ist. In die Gärten zurückversetzt liegt das, als Pavillon gestaltete, Hauptgebäude mit der Fürstenwohnung. Seitlich davon die Flügelbauten und kleineren Torgebäude im Halbrund. Sie wurden für Hofhaltung, von adeligen Gefolgsleuten, Dienerschaft und als Wirtschaftsgebäude genutzt. Bemerkenswert ist auch die schlichte, den Klassizismus ankündigende Behandlung sämtlicher Fassaden. Die Motive des reichen Skulpturenschmucks (Jagd und ländliche Szenen) werden jeweils im Inneren des Schlosses in Malerei und Stuckdekor aufgenommen und weitergeführt. Gerade in diesem formalen, funktionalen und thematischen Zusammenspiel von Außen- und Innenbau, des Dekors und der Gartenanlagen begründet sich die herausragende Stellung Benraths. In der, von Außen bescheiden und eingeschossig erscheinenden, Anlage finden sich bis zu vier Etagen, wobei zwei als offizielle Geschosse angelegt sind. Selbst dort treten Inzenierung und Repräsentation in den Hintergrund. Die ehemaligen Gärten erweiterte der Architekt zu einer quadratischen, symmetrisch angelegten Anlage, unter Nutzung der alten Wasseranlagen für die Wasserspiele. Schloß Benrath führte lange Zeit ein "Dornröschen Dasein". Selbst Auftraggeber Karl Theodor verbrachte nur einen einzigen Tag dort, da er mit seinem Hof als bayrischer Kurfürst in München residierte. Nicht zuletzt diesem Umstand ist der hervorragende Erhaltungszustand der Gesamtanlage Schloß Benrath zu verdanken. Mit Schloß Benrath, das bald dem Weltkulturerbe der UNESCO angehören soll, ist somit ein verwirklichter Idealentwurf, ein einzigartiges architektonisches Zeugnis aus der Übergangszeit von Absolutismus zur Aufklärung und von Spätbarock zu Klassizismus erhalten. Uta Schabrod Literatur: Schloß Benrath |
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